Das Naturschutzgebiet "Tøeboòsko"



   Das Naturschutzgebiet Tøeboòsko (Wittingauer Gebiet) erstreckt sich im südöstlichen Teil Südböhmens an der Grenze zu Österreich, ein beträchtlicher Teil des Gebietes liegt im Bezirk Jindøichùv Hradec (Neuhaus), mit seinen Rändern reicht es in die Bezirke Tábor und Èeské Budìjovice. Das Wittingauer Gebiet hat gegenüber den anderen Naturschutzgebieten der Tschechischen Republik und der Welt einen besonderen Charakter. Es handelt sich nicht um ein ursprüngliches, minimal gestörtes Gebiet, sondern um ein seit dem Mittelalter intensiv umgestaltetes Gebiet, das sich heute im Stadium des sekundären biologischen Gleichgewichts befindet.


   Die Teichwirtschaft im Wittingauer Gebiet.

   Die vermutliche Entstehung der ersten Teiche im Wittingauer Gebiet ist mit der Regierung Karls IV. zu verbinden. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand einer der ältesten und zugleich der größten Teiche in der Nähe von Tøeboò - Dvoøištì. Im Jahre 1450 existierten im Wittingauer Gebiet ungefähr 20 Teiche mit einem Gesamtausmaß von 700 ha. Das Hauptobjekt der Fischzucht ist der Karpfen, dessen Zucht und auch Ruf eine jahrhundertelange Tradition haben. Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert bedeutet für die Wittingauer Teichwirtschaft die regste Aufbauperiode. Dieser Zeitraum ist mit der Person von Štìpánek Netolický verbunden, der als der erste in den Aufbau des Wittingauer Teichsystems Ordnung brachte, den Goldbach und eine ganze Reihe von Teichen anlegte (u. a. Koclíøov, Tisý, Záblatský, Horusický, Opatovický, Káòov). Sein Zeitgenosse und Nachfolger dieses ersten bedeutenden Teichbauers war MikulᚠRuthard aus Malešov. Er legte in der Nähe von Chlum bei Tøeboò- ein Teichsystem, das mit seiner wasserwirtschaftlichen Gestaltung und seinen Produktionsmöglichkeiten die Teiche um Tøeboò übertrifft.
   Jakub Krèín von Jelèany, dieser "unsterbliche Regent", übernahm eine bereits gut und zweckmäßig geordnete Teichwirtschaft, um sie zu leiten und in den Diensten der Rosenberger bis 1590 zu erweitern. In der Zeit der Bautätigkeit von Jakub Krèín entstanden oder wurden ausgedehnt die Teiche Svìt, Spolský, Vdovec, Nadìje, Skutek, Potìšil, Ptaèí Blato, Krèín und viele andere. Als Beweis der Ergebenheit gegenüber dem Hause Rosenberg legte Krèín den größten Teich in Böhmen an, Rožmberk (beendet 1590), gleichzeitig damit schuf er den Neubach, der das "große" Wasser vom Einzugsgebiet der Lužnice in die Nežárka überführt. Mit diesen Werken wurde der Teichbau im Wittingauer Gebiet vollendet. Es ist ein Erbe, aus dem wir bis heute schöpfen.


   Die ursprünglich sumpfige Landschaft wurde seit dem 12. Jahrhundert kolonisiert. Vom Menschen fast ungestört blieben bis heute vor allem die Gemeinschaften von Torfmooren und Trockenbiotopen. Durch menschliche Tätigkeit, Anlage von Teichen, Wiesen und Weiden, entstanden neue Biotope. Dadurch stellt das Wittingauer Gebiet ein unikates Mosaik von sehr verschiedenartigen Biotopen dar, die sich auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche konzentrieren.
   Von 28 kleinflächigen Naturschutzgebieten haben fünf den Status einer nationalen Naturreservation: das Teichsystem "Velký a Malý Tisý" bei Lomnice nad Lužnicí, der natürlich mäandrierende Lauf der Lužnice mit Resten von Auwäldern "Stará øeka" in der Nähe von Tøeboò, das Torfmoor "Ruda" am südlichen Ufer des Teiches Horusický und die im südlichen Teil des Naturschutzgebietes erhaltenen Torfmoore eines Übergangstypus, die mit Kiefernwäldern bewachsen sind, "Èervené Blato" und "Žofinka".    Der westliche Teil des Naturschutzgebietes ist Bestandteil des Erklärten Schutzgebietes der natürlichen Akkumulation von Gewässern des Wittingauer Beckens. Als Gebiet von außerordentlicher naturwissenschaftlicher Bedeutung wurde das Wittingauer Gebiet 1977 im Rahmen des Programmes "Mensch und Biosphäre" in das Netz von Biosphärenreservaten der UNESCO eingetragen.


   Pflanzen und Tiere im Wittingauer Gebiet.

   Das Wittingauer Gebiet, eine Landschaft mit sehr vielfältigen Biotopen, bewohnen verschiedenartige Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren. Auf einer Strecke von einigen Kilometern können wir völlig unterschiedliche Welten beobachten. Wenn wir im Torfmoor Èervené Blato anfangen, finden wir hier neben der typischen Moorkiefer, dem Sumpfporst und anderen Pflanzen eine Reihe von wirbellosen Tieren, von denen einige zu Glazialrelikten gehören. Es sind Arten, die sich hier seit der Eiszeit erhielten und zur Zeit am nächsten in der Nordtundra- und Waldtundrazone leben. Einige Kilometer weiter, inmitten umfangreicher Waldkomplexe, leben typische Waldtierarten, wie z.B. eine ziemlich seltene Eule, der Rauhfußkauz, der Schwarzspecht oder der Schwarzstorch.

 

   Wenn wir den Wald verlassen, können wir auf eine feuchte Wiese mit Dutzenden von seltenen Blumen einschließlich der Orchidee Kanbenkraut, stoßen. Feuchte Wiesen knüpfen meistens ans typischste landschaftliche Element im Wittingauer Gebiet, an die Teiche, an. In ihren Uferbeständen versteckt sich ein unermeßlicher Lebensreichtum, auf dem Wasserspiegel sind vor allem Vögel zu sehen. An den Dämmen einiger Teiche leben rare, thermophile Insektenarten.
   Das Gebiet um Tøeboò besteht nicht nur aus Wasser. Wir finden hier auch extrem trockene Lokalitäten, trockene Kiefernwälder auf Schotterterassen und angewehte Sanddünen, die am Ende der Eiszeit entstanden. Sie werden von ganz anderen Gemeinschaften bewohnt als die nahen Wasserflächen. Die typische Tierart stellen hier die rare blaue Heuschrecke oder einige Vertreter der Hautflügler dar.